Biografie
Biographie Clara Haberkamp Die Pianistin, Komponistin und Sängerin Clara Haberkamp (*1989 bei Unna) lebt in Berlin. In den Jahren 1998 bis 2006 gewann sie mehrmals bei den Wettbewerben „Jugend jazzt“ und „Jugend musiziert“ auf Landesebene.

Von 2006 bis 2009 war sie Mitglied im Landesjugendjazzorchester NRW. Tourneen mit der Big Band führten sie nach Südostasien, Malta, Israel und Estland. Später war sie auch Pianistin im Bundesjazzorchester (Bujazzo).

Von 2009 bis 2013 studierte sie Klavier am Jazz Institut Berlin (Hanns Eisler/UdK) bei Hubert Nuss, Wolfgang Köhler, Susanne Grützmann, David Friedman, Greg Cohen und John Hollenbeck. Parallel zum Studium nahm sie weiterführenden Unterricht in Gesang und Komposition. Im Oktober 2014 hat sie ihr Masterstudium im Fach Komposition an der HfMT Hamburg bei Wolf Kerschek begonnen. Im Rahmen einer Kooperation zwischen der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und dem NDR wird sie 2017 ihr eigens für die NDR Big Band komponiertes Programm aufnehmen.

2011 gewann sie den „Jazz Baltica Förderpreis“ mit ihrem Trio. Im Mai 2012 erschien ihre Solo LP „One Hundred Dreams“ auf dem Label „Edition Longplay“ auf Vinyl. Darauf folgte das Debütalbum des Clara Haberkamp Trios „nicht rot, nicht weiß, nicht blau“ und wenig später das zweite Album des Trios „You Sea!“ (LAIKA Records).

2013 ging Haberkamp mit Schauspieler und Sänger Gustav Peter Wöhler und seinem deutschsprachigen Programm „Wegen Mir“ auf Tournee. Das gleichnamige Album erschien im Frühjahr 2013 auf dem Label Kurtmusik. Seit 2012 spielt und tourt sie mit der Songschreiberin und Künstlerin Susanne „die Popette“ Betancor.

Das Clara Haberkamp Trio hat im April 2016 ein neues Album mit dem Titel „Orange Blossom“ aufgenommen. Dies wird am 30. September, 2016 auf dem Label Traumton Records in Berlin veröffentlicht. Das Clara Haberkamp Trio spielte u.a. beim Jazz Baltica Festival, beim XJAZZ Festival Berlin, beim Jazz Open Festival Hamburg und bei den Eldenaer Jazz Evenings in Greifswald und ist regelmäßig deutschlandweit auf Tournee.

Im Mai 2016 erhielt Clara Haberkamp eine Einladung vom Goetheinstitut Slowenien die Deutsche Nationalhymne und „Lass mich bei dir sein“ (Knef/Noris) für ein europäisches Ensemble zu arrangieren und in Ljubljana aufzuführen. Kurz darauf war sie als Dozentin für „Instant Composing“ an der European Jazzakademie Heek tätig und hat ab Oktober 2016 einen Lehrauftrag für Jazzimprovisation an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Seit Oktober 2015 ist sie Stipendiatin der Oscar und Vera Ritterstiftung.
Stimmen
Es gibt Jazzmusiker, die gar nicht so viel Leben leben können, wie sie in ihre Musik packen. Sie geben in ihren Kompositionen Konflikte vor, die sie dann in ihren Improvisationen austragen. Zu dieser seltenen Species gehört die junge Berliner Pianistin Clara Haberkamp.

Wer einfach nur ihren Ton hört, glaubt kaum, dass Clara Haberkamp erst Anfang zwanzig ist. Sie studiert noch, hat aber bereits alles, was eine vollendete Tonpoetin braucht. Sicher ist sie noch auf der Suche, aber welcher große Musiker wäre das nicht zeitlebens? Diese Suche ist ihr Ziel. Immer wach bleiben, immer etwas neues finden. Jeder Tag, an dem ihr nichts neues einfällt, ist für sie ein verlorener Tag. Und jeder Ton, der kein Eigenleben hat, ist für sie ein verlorener Ton.

Vor allem kann sie Geschichten erzählen. In ihrer Musik spiegelt sie die Welt, die sie erlebt. Sie ist in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen – Mutter und Vater sind selbst Jazzmusiker – beschreitet jedoch selbstbewusst ihren eigenen Weg. Ihr Klavier klingt wie eine Stimme. Manchmal zart, verletzlich, zurückgenommen, andermal stark, couragiert, wie ein ganzer Chor in einer Person. Zwei Extreme fechten in ihren Stücken einen Kampf aus, der die Musik oft an ihre Grenzen führt. Wer sich auf sie einlässt wird, ob er will oder nicht, in diesen Konflikt hineingezoomt. Zweifel und Unschuld prallen auf Radikalität und Härte. Clara Haberkamp ist nicht das Eine oder das Andere, sondern füllt beide Positionen voll und ganz aus. Ein Kompromiss zwischen beiden Aspekten ist nicht möglich. Das Gemeinsame beider Haltungen ist jedoch die hundertprozentige Leidenschaft, mit der sie jeweils ausgedrückt werden. Das erklärt die dramatische Spannung in ihren Stücken. Die junge Pianistin lässt sich nicht von den Vorgaben der Logik korrumpieren, sie verlässt sich lieber aufs Leben und das ist alles andere als logisch.

Wenn Wucht, Tiefe und narrativer Überschwang ihrer Klaviermusik der Pianistin mal zu viel werden, zieht sie noch ein weiteres Register. Sie singt. Hat man sich erst einmal auf ihr Klavierspiel eingelassen, ist ihre Stimme erneut eine Offenbarung. Sie ist ganz klar, schön und unverstellt, kommt ohne jedes aufgesetzte Pathos und jede falsche Patina aus, die Jazzgesang oft so anstrengend machen. Clara Haberkamp singt, weil sie singen will, nicht weil sie zeigen muss, wie toll sie auch noch singen kann. Der Gesang gibt der Pianistin Gelegenheit, sich auf sich selbst zurückzuziehen und neue Kräfte zu sammeln.

Musiker wie Clara Haberkamp betreten nicht oft die Bühne des Jazz. Jeder Auftritt von ihr ist ein Erlebnis, eine Reise mit offenem Ziel.

– Wolf Kampmann –